13.08.2012

Grüne Anfrage an den Kreistag Schwalm-Eder: Welche Mengen, Nutzungen, Transporte, Gefahren und Kontrollen von Gülle gibt es im Kreis?

Auf unseren Straßen sind nicht nur landwirtschaftliche Produkte, Futtermittel und Tiere unterwegs, sondern zunehmend auch Mist und Gülle. Nicht etwa als Abfall oder Reststoff, wie man meinen könnte, sondern im großen Stil als Wirtschaftsdünger. Bedingt durch die Massenhaltung von Tieren in Ställen - 40.000 Hähnchen oder 8.000 Schweine pro Stall sind keine Seltenheit - fallen große Mengen Mist und Gülle an. So hat man sich schon damit abgefunden, dass kreisweit oder sogar von Bundesland zu Bundesland Gülle gefahren wird und es nach Aufbringung auf die Äcker wochenlang stinkt. Es ist bekannt, dass in Gegenden mit viel Tierhaltung ein Nährstoffüberschuss besteht und die Grenzen des Erträglichen für Trinkwasser und Boden längst überschritten sind. Auch zu diesem Thema läuft derzeit eine Anfrage von den Grünen.

Die Sorge der Bürgerinnen und Bürger vor den Folgen wie die Belastung von Grundwasser und Böden mit Phosphaten, Nitraten, Antibiotikarückständen, Hormonen sowie die Entwicklung resistenter Bakterien und allergiefördernden Stäuben nimmt zu.

"Diese Sorgen nehmen wir ernst. Für eine genaue Beurteilung der Situation in unserem Landkreis benötigen wir daher Angaben", so Bettina Hoffmann (Vorstandssprecherin). "Wir fordern  eine öffentlich zugängliche Dokumentation eine Art "Gülle-Kataster" oder "Güllebörse", die über Umfang, Handel, Transport und Kontrollen von Gülle im Kreis informiert. Nur so wird deutlich, welche Folgen die zunehmende Massentierhaltung im Kreis, die von der örtlichen Bevölkerung kritisch gesehen wird, mit sich bringt."

 

Bündnis90/Die Grünen haben den Kreisausschuss daher um Beantwortung folgender Fragen bis zur nächsten Kreistagssitzung im September gebeten:

 1. Wie viel Gülle von Schweinen, Rindern, Geflügel, Pferden etc. fällt etwa im Jahr im Schwalm-Eder-Kreis durch hier ansässige landwirtschaftliche Tierhaltung an?

2. Wie wird diese Gülle weiter verwendet?

3. Wird Gülle aus anderen Landkreisen in den Schwalm-Eder-Kreis eingeführt und wenn ja wie viel? Bitte geben Sie den Zeitraum der letzten 3 Jahre an.

4. Wird Gülle aus anderen Bundesländern z.B. Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen in den Schwalm-Eder-Kreis eingeführt und wenn ja wie viel? Bitte geben Sie den Zeitraum der letzten 3 Jahre an.

5. Wird Gülle aus anderen europäischen Ländern wie z.B. den Niederlanden in den Schwalm-Eder-Kreis eingeführt und wenn ja wie viel? Bitte geben Sie den Zeitraum der letzten 3 Jahre an.

6. Sind für die Einfuhr aus anderen Bundesländern oder EU-Ländern Genehmigungen erforderlich? Wenn ja, gibt es Mengenbegrenzungen?

7. Wurden in den letzten 5 Jahren schon Einfuhren in den Schwalm-Eder-Kreis z.B. aus tierseuchenrechtlichen Gründen verboten?

8. Wird ggf. eingeführte Gülle zuvor hygienisiert bzw. sterilisiert?

9. Gibt es  ein öffentlich zugängliches Register/Dokumentation (Gülle-Kataster, Güllebörse) über Umfang, Handel und Transport von Gülle im Kreis?

10. Böden sollten nur nach Bedarf gedüngt werden. Erhalten die Landwirte im Kreis eine amtliche Beratung zur Verbringung der Gülle auf Flächen, um eine zu hohe bzw. falsche Düngung zu vermeiden?

11. Gibt es Kontrollen einer fachgerechte Düngung nach Düngeverordnung im Landkreis? Wenn ja wie oft und in welchem Umfang?

12. Gab es Verstöße gegen die Düngeverordnung in den letzen 3 Jahren und wie wurden diese ggf. geahndet?

13. Gibt es Kontrollen von Grundwasser und Böden zur Belastung mit Antibiotikarückständen?

14. Sind Erkrankungen von Personen aus dem Landkreis mit multiresistenten Bakterien wie MRSA oder Botolismus bekannt?

Dr.Bettina Hoffmann

zurück

URL:http://www.gruene-schwalm-eder.de/kreistagsfraktion/presse/expand/416968/nc/1/dn/1/